Harninkontinenz

Unter Harninkontinenz versteht man ein Symptom, das den unwillkürlichen Urinverlust beschreibt. Für die Betroffenen bedeutet dies jedoch weitaus mehr, denn inkontinente Menschen leiden häufig an zahlreichen Begleiterscheinungen. So können Erschöpfungszustände, Angst, Schlafstörungen, weitere Ausscheidungsstörungen und Unterleibsbeschwerden im Zusammenhang mit Harninkontinenz auftreten. Darüber hinaus zeigen sich oft Veränderungen im sozialen Verhalten der Erkrankten.

Sie ziehen sich immer mehr zurück, stellen sportliche Aktivitäten ein, sagen Einladungen ab und reisen seltener. Auch Partnerschaften werden stark belastet, denn zu den bereits genannten Problemen tritt häufig sexuelle Gleichgültigkeit oder Zurückgezogenheit des inkontinenten Partners hinzu.

Die Harninkontinenz wird auch heute noch häufig als Tabuthema betrachtet. Dabei ist die Zahl der Betroffenen beträchtlich; in der Bundesrepublik sind es ca. 6 Millionen Menschen. Damit tritt die Harninkontinenz häufiger auf als Diabetes mellitus und Ulkusleiden, ähnlich oft wie Asthma bronchiale. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Jede 3. Frau zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr leidet unter Inkontinenzproblemen unterschiedlicher Stärke.

Derzeit stehen uns umfangreiche Therapiemöglichkeiten der Harninkontinenz zur Verfügung. Diese umfassen sowohl verschiedene Medikamente (z.B. Anticholinergika, Duloxetin, Dysport), als auch physiotherapeutische (z.B. Beckenbodenstimulation, Biofeedback, BioCon-Stuhl) und operative Maßnahmen (z.B. TVT, TOT). Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die Diagnostik zur Feststellung der Inkontinenzart (Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz, Mischinkontinenz u.a.). Die diagnostischen Maßnahmen reichen von einfachen Fragebögen/ Toilettenprotokollen über die Sonografie bis zu ausgedehnten apparativen Untersuchungen.